1. Kommasetzung
Die mit Abstand ergiebigste Fehlerquelle. Vier Regeln decken den Großteil ab.
Zwischen zwei Hauptsätzen steht ein Komma, auch wenn sie durch „und” verbunden sind - dort ist es seit der Reform optional. Nebensätze werden immer eingeschlossen, auch am Satzende. Erweiterte Infinitive mit „zu” bekommen ein Komma, sobald sie durch ein weiteres Wort ergänzt sind: „Er versuchte zu schlafen” steht ohne, „Er versuchte, trotz Lärm zu schlafen” mit.
Die verlässlichste Gegenprobe: Lässt sich der eingeschobene Teil weglassen, ohne dass der Restsatz zerbricht, gehört er in Kommas.
2. Groß- Und Kleinschreibung
Substantivierungen sind die Hauptfalle. Ein Wort wird großgeschrieben, sobald ein Artikel, ein Pronomen oder eine Mengenangabe davorpasst: „das Lesen”, „nichts Neues”, „alles Gute”, „im Allgemeinen”.
Nach einem Doppelpunkt wird großgeschrieben, wenn ein vollständiger Satz folgt, sonst klein. Und Tageszeiten nach Wochentagen sind Substantive: „Montagabend”, nicht „Montag abend”.
3. Satzbau
Der häufigste Satzbaufehler ist der abgebrochene Bezug: Ein Satz beginnt mit einer Konstruktion und endet in einer anderen, weil zwischendrin ein Einschub die Spur verwischt hat. Je länger der Satz, desto wahrscheinlicher.
Gegenmittel ist keine Regel, sondern eine Gewohnheit: Nach jedem Satz mit mehr als zwei Kommas das Satzgerüst prüfen, also Subjekt und Prädikat isolieren und schauen, ob sie zusammenpassen.
Das zweite häufige Problem sind Schachtelsätze, die grammatisch korrekt und trotzdem unlesbar sind. Wer merkt, dass er beim eigenen Satz zurückspringen muss, teilt ihn.
4. Zeitformen
Innerhalb eines Abschnitts gehört eine Zeitebene durchgehalten. Der typische Fehler ist der Wechsel zwischen Präteritum und Perfekt ohne Grund.
In wissenschaftlichen Texten gilt zusätzlich eine Konvention, die viele überrascht: Über den Inhalt fremder Texte wird im Präsens berichtet („Müller argumentiert”), über den Ablauf einer Untersuchung im Präteritum („Die Befragung erfolgte”). Beides in einem Absatz zu mischen ist korrekt, solange die Zuordnung stimmt.
5. Pronomen
Pronomen brauchen einen eindeutigen Bezug. „Der Autor kritisiert den Verlag, weil er die Frist nicht eingehalten hat” lässt offen, wer die Frist versäumt hat. Solche Sätze sind grammatisch fehlerfrei und trotzdem defekt.
Die Regel: Ein Pronomen bezieht sich auf das zuletzt genannte passende Substantiv. Stimmt das nicht mit der Absicht überein, muss das Substantiv wiederholt werden - auch wenn es sich unelegant anfühlt.
Zweiter Punkt: „derselbe” und „der gleiche” sind nicht austauschbar. „Dasselbe Buch” ist ein einziges Exemplar, „das gleiche Buch” ein zweites Exemplar desselben Titels.
6. Artikelgebrauch
Fehler beim Artikel treten fast nur bei Fremdwörtern und zusammengesetzten Substantiven auf. Bei Komposita bestimmt das letzte Glied das Geschlecht: „die Datenbank” wegen der Bank, „das Datenblatt” wegen des Blatts.
Bei Wörtern mit schwankendem Genus („der/das Blog”, „der/das Virus”) sind meist beide Formen zulässig - innerhalb eines Textes sollte man sich aber für eine entscheiden.
7. Wortwahl
Verwechslungspaare sind die häufigste Ursache für Fehler, die keine Prüfsoftware findet, weil beide Wörter existieren: „scheinbar” (es sieht so aus, ist es aber nicht) gegen „anscheinend” (es spricht alles dafür). „Anhand” mit Genitiv gegen „aufgrund” als Ursachenangabe. „Als” beim Vergleich von Ungleichem, „wie” bei Gleichem.
Dazu die Klassiker: „das” als Artikel oder Relativpronomen, „dass” als Konjunktion. Die Gegenprobe funktioniert zuverlässig - lässt sich „dieses” oder „welches” einsetzen, ist es „das”.
8. Rechtschreibung
Nach der Reform richtet sich ß gegen ss nach der Vokallänge: nach langem Vokal oder Diphthong ß („Maß”, „heiß”), nach kurzem ss („Fluss”, „muss”). Das ist die einzige Regel, die man dafür braucht.
Getrennt- und Zusammenschreibung bleibt schwieriger. Faustregel: Trägt der erste Teil eine eigene Betonung und lässt sich steigern oder erweitern, wird getrennt geschrieben. Ist die Bedeutung übertragen, wird zusammengeschrieben - „sitzen bleiben” auf dem Stuhl, „sitzenbleiben” in der Schule.
Welche Werkzeuge hier zuverlässig helfen, steht im Vergleich der Rechtschreibprüfungs-Tools.
9. Stilmittel
Kein Grammatikfehler, aber der häufigste Grund, warum korrekte Texte schlecht wirken.
Nominalstil ersetzt Verben durch Substantive: „Die Durchführung der Überprüfung erfolgte” statt „Wir überprüften”. Er wirkt förmlich und liest sich zäh. Doppelte Verneinung („nicht unwahrscheinlich”) verlangt vom Lesenden eine Umrechnung. Füllwörter wie „eigentlich”, „durchaus”, „relativ” lassen sich fast immer streichen, ohne dass Bedeutung verloren geht.
Welche Tonlage zum Anlass passt, ist ein eigenes Thema: Die Bedeutung der Tonalität in Texten.
10. Interpunktion
Jenseits des Kommas: Der Gedankenstrich ist ein Halbgeviertstrich mit Leerzeichen davor und danach, kein Bindestrich. Anführungszeichen werden im Deutschen unten geöffnet und oben geschlossen. Der Apostroph markiert Auslassungen („hab’s”), nicht den Genitiv - „Peters Buch” steht ohne.
Ein Punkt fehlt in Überschriften, ein Fragezeichen nicht.
11. Pluralbildung
Fremdwörter folgen keiner einheitlichen Regel. Aus dem Lateinischen entlehnte Wörter behalten oft die lateinische Form („Praktikum” zu „Praktika”, „Lexikon” zu „Lexika”), englische Lehnwörter nehmen meist ein deutsches Plural-s.
Kritisch sind Wörter mit mehreren zulässigen Formen. „Konten” und „Kontos” existieren beide, ebenso „Pizzas” und „Pizzen”. Auch hier gilt: innerhalb eines Textes eine Form durchhalten.
12. Adjektivdeklination
Der subtilste Punkt der Liste. Die Endung eines Adjektivs hängt davon ab, was davorsteht: Nach bestimmtem Artikel wird schwach dekliniert („der große Erfolg”), ohne Artikel stark („großer Erfolg”), nach unbestimmtem Artikel gemischt („ein großer Erfolg”).
In Aufzählungen mehrerer Adjektive werden alle gleich dekliniert - „mit einem langen, ausführlichen Bericht”, nicht „mit einem langen, ausführlichem Bericht”. Das ist der Fehler, der in ansonsten sauberen Texten am häufigsten stehen bleibt, weil er beim Lesen kaum auffällt.