Lohnt sich eine Prüfung überhaupt?
Bei einer Hausarbeit ist die ehrliche Antwort: meistens nicht als bezahlte Leistung.
Der Grund liegt nicht darin, dass Hausarbeiten weniger streng bewertet würden - sondern darin, dass die Fehler, die hier typischerweise auftreten, sich ohne Software finden lassen. Es sind fast immer dieselben vier, und sie stecken an vorhersehbaren Stellen.
Sinnvoll wird eine Prüfung in drei Fällen: bei der ersten Arbeit im Studium, um das eigene Zitierverhalten zu kontrollieren; bei sehr literaturlastigen Arbeiten; und wenn die Note erheblich ins Gesamtergebnis eingeht.
Der Selbstcheck in dreißig Minuten
Vier Durchgänge über den fertigen Text, jeder mit einer einzigen Frage:
1. Anführungszeichen. Jede Passage suchen, die aus einer Quelle stammt. Steht sie wörtlich dort? Dann gehören Anführungszeichen und Seitenangabe dazu.
2. Belege. Jeden Absatz durchgehen: Stammt der Gedanke von mir? Wenn nein, steht eine Quelle dabei? Das gilt auch für umformulierte Inhalte - der häufigste Irrtum überhaupt.
3. Exzerpte gegenlesen. Die eigenen Notizen neben den Text legen. Passagen, die fast wortgleich übernommen wurden, fallen dabei sofort auf.
4. Phrasensuche an unsicheren Stellen. Drei bis fünf Sätze, bei denen man sich nicht sicher ist, in Anführungszeichen in eine Suchmaschine eingeben.
Das findet in einer halben Stunde den Großteil dessen, was eine Prüfsoftware bei einer Hausarbeit auch findet.
Die vier typischen Fehler
Der Theorieteil aus den Exzerpten. Notizen wandern unverändert in den Text. Entsteht immer dann, wenn die Zeit knapp wird.
Die Paraphrase ohne Beleg. „Ich habe es ja in eigenen Worten geschrieben” - der verbreitetste Irrtum im Studium. Die Belegpflicht hängt am Gedanken, nicht am Wortlaut, siehe richtig paraphrasieren.
Die Wikipedia-Passage. Wird von jeder Prüfsoftware und von jeder Suchmaschine in Sekunden gefunden. Als Einstieg ins Thema nützlich, als Quelle in einer Hausarbeit meist unerwünscht.
Das Sekundärzitat. Ein Zitat aus einer anderen Arbeit übernehmen, ohne das Original gelesen zu haben, und den Zusatz „zitiert nach” weglassen.
Wenn geprüft werden soll
Für eine Hausarbeit reichen die kostenlosen Wege in aller Regel aus, weil hier seltener aus lizenzpflichtiger Fachliteratur zitiert wird als in einer Abschlussarbeit.
Die beste Option ist ein Zugang über die eigene Hochschule - viele Bibliotheken und Schreibzentren stellen einen bereit, ohne dass es breit bekannt wäre. Was sonst kostenlos möglich ist und wo die Grenzen liegen, steht unter kostenlos prüfen.
Der Punkt, der mehr bringt als jede Prüfung
Wer beim Lesen sauber notiert, hat das Problem gar nicht.
Konkret heißt das: Quellenangabe zu jeder Notiz, bevor die Notiz entsteht. Wörtliche Übernahmen im Exzerpt sofort in Anführungszeichen. Und eine Literaturverwaltung von Anfang an - der Zeitaufwand dafür liegt bei etwa einer Stunde und amortisiert sich in der ersten Arbeit.
Fast alle Plagiate, die in Seminararbeiten auffallen, gehen auf Notizen zurück, bei denen sich Wochen später nicht mehr rekonstruieren ließ, was Zitat und was eigener Gedanke war. Das ist kein Kontrollproblem, sondern ein Werkzeugproblem - und damit lösbar.