Die Phrasensuche - einfach und erstaunlich wirksam
Der schnellste Weg kostet nichts: Einen charakteristischen Satz aus dem eigenen Text in Anführungszeichen in eine Suchmaschine eingeben.
Die Anführungszeichen sind entscheidend - sie erzwingen die exakte Wortfolge. Ohne sie liefert die Suche thematisch ähnliche Seiten, mit ihnen nur solche, auf denen genau dieser Satz steht.
Welcher Satz eignet sich? Nicht der erste und nicht der beste, sondern der ungewöhnlichste. Gesucht ist eine Formulierung, die niemand zufällig genauso schreiben würde: ein eigener Vergleich, eine ungewöhnliche Wortkombination, ein Satz mit einer konkreten Zahl. Standardsätze und Fachwendungen liefern nur Rauschen.
Für einen längeren Text lohnen drei bis vier solcher Sätze aus verschiedenen Abschnitten - wer nur einen Absatz kopiert hat, taucht sonst nicht auf.
Ein zweiter Suchdienst neben Google lohnt sich, weil die Indizes unterschiedlich sind. Bing findet regelmäßig Seiten, die Google nicht kennt, und umgekehrt.
Wenn die eigene Seite nicht erscheint
Ein häufiger Schreckmoment: Die Phrasensuche zeigt die Kopie, aber nicht das Original.
Das hat meist nichts mit Bewertung zu tun. Suchmaschinen filtern bei stark ähnlichen Ergebnissen und zeigen eines davon. Welches, hängt an Autorität und Indexierungszeitpunkt - nicht daran, wer den Text geschrieben hat.
Zwei praktische Konsequenzen: Erstens lohnt es, am Ende der Ergebnisliste auf „ausgelassene Ergebnisse anzeigen” zu klicken. Zweitens ist genau deshalb die eigene Dokumentation so wichtig - die Suchmaschine ist kein Beweismittel für Priorität.
Plagiatsprüfsoftware in umgekehrter Richtung
Die Systeme, die sonst Arbeiten prüfen, funktionieren auch andersherum: Man lädt den eigenen Text hoch und schaut, wo er sonst noch vorkommt.
Das findet mehr als die Phrasensuche, weil auch teilweise veränderte Passagen erkannt werden. Ein Blick in den Tool-Vergleich zeigt, welche Anbieter dafür in Frage kommen.
Ein Vorbehalt: Bei unveröffentlichten Texten sollte man vorher prüfen, ob der Anbieter Uploads in seine Vergleichsdatenbank aufnimmt. Sonst gibt man ein Manuskript aus der Hand, um eine Kopie zu suchen, die es noch gar nicht gibt.
Laufende Überwachung
Wer regelmäßig veröffentlicht, will nicht jedes Mal von Hand suchen. Dafür gibt es zwei Ansätze.
Benachrichtigungsdienste wie Google Alerts überwachen eine Wortfolge und melden neue Treffer. Kostenlos, aber grob: Sie finden nur exakte Übereinstimmungen und melden nicht alles.
Spezialisierte Monitoring-Dienste gleichen veröffentlichte Inhalte regelmäßig gegen den Web-Index ab und melden Übereinstimmungen mit Fundstelle und Umfang. Sie kosten Geld, decken dafür ganze Seiten automatisch ab. Für Verlage, Agenturen und stark frequentierte Fachseiten rechnet sich das; für einen Blog mit gelegentlichen Beiträgen selten.
Ein günstiger Mittelweg: die eigenen wichtigsten Texte quartalsweise per Phrasensuche prüfen und dafür eine feste Liste der zu prüfenden Sätze pflegen.
Übersetzte Kopien finden
Der schwierigste Fall. Ein ins Englische übersetzter Text hat mit dem Original keine gemeinsame Zeichenfolge - keine Phrasensuche und kaum eine Prüfsoftware findet ihn.
Was manchmal funktioniert: charakteristische Eigennamen, Zahlen und Zitate, die eine Übersetzung überstehen. Wer im Text eine ungewöhnliche Studie mit Jahreszahl nennt, findet über diese Kombination gelegentlich die übersetzte Fassung.
Systematisch lösen lässt sich das nicht. Für die meisten Betroffenen ist der Aufwand hier höher als der Nutzen.
Bilder und Grafiken
Textdiebstahl kommt selten allein - meist wandern Grafiken und Bilder mit. Die Rückwärtssuche über Google Bilder, TinEye oder Yandex findet Kopien von Bildern zuverlässiger, als es bei Text möglich ist.
Das lohnt sich auch als Suchmethode für den Text: Wer die eigene Infografik findet, findet meist den kopierten Artikel gleich mit.
Was man vorher dokumentieren sollte
Alle Suchmethoden nützen wenig, wenn sich im Ernstfall nicht belegen lässt, wer zuerst da war. Drei Dinge lösen das dauerhaft und kosten fast nichts:
Veröffentlichungsdatum sichtbar ausweisen und im Redaktionssystem nicht bei jeder Kleinänderung überschreiben.
Versionshistorie behalten. Redaktionssysteme und Versionsverwaltungen dokumentieren, wann welcher Absatz entstanden ist. Das ist im Streitfall aussagekräftiger als jeder Screenshot.
Eigene Seiten archivieren lassen. Eine Archivkopie von dritter Seite mit Zeitstempel ist der stärkste einzelne Beleg, den man haben kann - und sie anzulegen dauert Sekunden.
Wer eine Kopie gefunden hat, sichert als Erstes die Beweise, bevor er Kontakt aufnimmt. Das Vorgehen danach steht Schritt für Schritt unter Was tun bei Textklau.