Die drei Unterschiede zur Bachelorarbeit
Mehr fremdsprachige Literatur. Auf Masterniveau wird überwiegend international zitiert. Damit steigt das Risiko des Übersetzungsplagiats: Ein aus dem Englischen übertragener Absatz hat mit dem Original keine gemeinsame Zeichenfolge und wird von keiner Prüfsoftware gefunden. Er ist trotzdem eine belegpflichtige Übernahme.
Eigene Vorarbeiten. Viele Masterarbeiten bauen auf Seminararbeiten, Projektberichten oder der Bachelorarbeit auf. Das ist wissenschaftlich sinnvoll und wird zum Problem, sobald ganze Passagen ungekennzeichnet wandern. Details unter Selbstplagiat.
Umfang. Bei sechzig bis hundert Seiten und dreistelliger Quellenzahl verliert man den Überblick über Belege ohne systematische Literaturverwaltung fast zwangsläufig.
Was das für die Prüfung heißt
Software deckt hier weniger ab als bei einer Bachelorarbeit, weil die typischen Fehler - Übersetzung, Paraphrase, Wiederverwendung eigener Texte - für sie schlecht sichtbar sind.
Der Prüfbericht bleibt trotzdem nützlich: Er findet die wörtlichen Übernahmen und zeigt, ob es ein systematisches Problem in der Zitierdisziplin gibt. Er ersetzt aber nicht die eigene Durchsicht.
Für eine Masterarbeit lohnt deshalb ein zweiter Schritt, den viele auslassen: eine Stichprobe der Belege. Zehn bis fünfzehn zufällig ausgewählte Quellenangaben nachschlagen und prüfen, ob die Quelle existiert, ob dort das Behauptete steht und ob die Seite stimmt. Wer hier Fehler findet, hat sie systematisch - und weiß, wo nachzuarbeiten ist.
Anbieterwahl
Die Kriterien sind dieselben wie bei der Bachelorarbeit, aber die Gewichtung verschiebt sich: Der Zugriff auf wissenschaftliche Datenbanken wird wichtiger, weil auf Masterniveau kaum noch aus frei zugänglichen Webquellen zitiert wird.
Unverändert an erster Stelle steht die Frage, ob der Anbieter hochgeladene Texte in seine Vergleichsdatenbank aufnimmt. Bei einer Masterarbeit, die später möglicherweise veröffentlicht oder zur Promotion weiterentwickelt wird, wiegt das noch schwerer.
Eine Übersicht der gängigen Systeme steht im Tool-Vergleich.
Zeitplanung
Bei diesem Umfang reichen zwei Wochen Vorlauf knapp. Realistisch ist:
- Vier Wochen vor Abgabe: erster Durchgang, sobald der Text inhaltlich steht. Genug Zeit, um systematische Zitierfehler über die ganze Arbeit hinweg zu beheben.
- Zwei Wochen vor Abgabe: Belegstichprobe und Durchsicht der Passagen, die auf eigenen Vorarbeiten beruhen.
- Wenige Tage vor Abgabe: Kontrolldurchgang.
Der mittlere Schritt ist der, den Prüfsoftware nicht übernimmt und der bei Masterarbeiten am häufigsten fehlt.
Wenn die Arbeit veröffentlicht werden soll
Wird die Masterarbeit publiziert oder in eine Promotion überführt, kommt eine zusätzliche Ebene dazu: Was in der Arbeit zulässig war, kann in einer Veröffentlichung urheberrechtlich relevant werden - vor allem bei umfangreichen Zitaten und übernommenen Abbildungen.
Für Zitate gilt dann § 51 UrhG mit seinen engeren Grenzen, siehe Zitatrecht. Für Abbildungen aus fremden Quellen braucht es in aller Regel eine Lizenz des Rechteinhabers - das Zitatrecht deckt reine Illustration nicht ab.